Die rumänische Volkstracht gibt den Eindruck einer großen Einheit trotz all ihrer regionalen Varianten. Die Kunst
der Kleidung ist einer der größten und der komplexesten Bereiche der Volkskunst.
Der Hauptvermerk, was den Rohstoff betrifft, ist der Einsatz der weißen Woll-, Hanf-, Lein- oder Baumwollstoffe, aber auch von Schafsleder. Der Schnitt ist im allgemeinen einfach und besteht aus Rechtecken, die interessant zusammengesetzt werden.
Die Dekorationen sind meistens gewoben oder gestickt, sind geometrisch, sonst mit Blumen, aber sehr stilisiert. In zahlreichen Regionen ist die chromatische Trilogie weiß - rot - schwarz dominierend, aber die Polychromie ist ebenfalls häufig
Eine jahrtausendlange Dekantation des chromatischen Bereiches hat zur Benutzung von lebhaften Farben geführt, ohne aber auffällig oder ruhige, glanzlos oder traurig zu sein. Oft unerwartet wird die Kombination dieser Farben mit einer bewundernswerten Kunst durchgeführt, die die Kontraste in Harmonien umwandelt. Die Wirkungen werden mit einem Minimum von technischen und chromatischen Mitelln erhalten, aber mit einem Maximum an künstlerischen Ausdrucksweise in ihrer Verwirklichung. Verschiedene Verzierungen aus Metall, Knochen oder Glas erhöhen die künstlerische Auswirkung der weiblichen Kleidung.
Die Kleidung aus Leder wird mit bewundernswerten Woll- oder Seidenstickereien sowie mit Geflechten aus gefärbtem feinem Leder geschmückt.
Man begegnet immer seltener Dorfbewohnern, die ihre traditionelle Kleidung im täglichen Leben tragen. Es ist im Land von Oas, in Maramures, und in
Bucovina, wo wir mehr davon sahen ; oft werden diese von älteren Personen getragen und selten von Jugendlichen. Im allgemeinen sind die Kleidung für die familiären oder gemeinsamen Feste oder für die traditionellen Folkloredemonstrationen reserviert
Aber man kann davon sehr schöne in den meisten ethnographischen Museen sehen.
Wir wurden durch die Ausstellung, die wir beim Museum des Rumänischen Bauern in Bukarest und beim Ethnographischen Museum der Fürstlichen Herberge (Hanul domnesc) in Suceava, in Bukovina besichtigt haben, verführt. Dort befinden sich wunderbare Trachten, die aus Schafsleder geschnitten wurden, und mit buntem Wolle gestrickt sind.
Man muss aber die Tatsache berücksichtigen, dass die im gegenwärtigen Leben gänzlich integrierte traditionelle Kleidung sich sowohl in seinen Formen als auch in seinem Schmuck entwickelt hat, ohne das Mindeste von seinerVerankerung in der Tradition zu verlieren. Die im Winter bestickten Blusen werden im Sommer dem Verkauf vorgeschlagen und können sehr schön sein. Eine kleine Tour bei den ethnographischen Museen kann hilfreich sein um die Blusen und die großen bestickten Schals wiederzuerkennen, die die überlieferten Techniken respektieren. Andererseits kann man jene beobachten, die schneller gemacht wurden, die nicht-traditionelle Stoffe und industrielle Dekorationswerkstoffe benutzen, und obwohl sie manchmal verführerisch sein können, verlieren sie in Punkto Echtheit. Jedoch kommen in einigen Familien echte Meisterwerke aus den Koffern und aus den Schränken bei den großen Gelegenheiten des Lebens heraus. Und manchmal, leider veranlassen die Lebensunterhalts-schwierigkeiten den Transittouristen oder in einem consignatia, Stücke dieses unschätzbaren Kulturgutes für einige hundert- oder zehntausend lei zu verkaufen. Auf dieser Weise haben großartige, mit Stickereien geschmückten Kleidungsstücken, die eine unberechenbare Anzahl von Arbeitsstunden gekostet haben, Rumänien verlassen...
Copyright Fotos E.Roussel und L. Beaudet
Übersetzung : Mihai Draganovici