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ACCUEIL > DEUTSCHE FASSUNG > Blättchen > Rumänien -irgendwo zwischen rosa und schwarz
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Rumänien -irgendwo zwischen rosa und schwarz

    Juni 2000

    Warum reagiert man in Frankreich fast immer heftig, wenn das Thema Rumänien angesprochen wird ? Warum wird man so schnell unvernünftig und unrealistisch, dass man zu Übertreibungen neigt, sowohl was die idyllische Seite (ich tue es oft, obwohl ich es versuche, auf die Unterschiede hinzuweisen) als auch was die negative kritikanfällige Seite betrifft ?

    Meiner Meinung nach zwingt uns Rumänien dazu, unsere unantastbaren westeuropäischen Überzeugungen infrage zu stellen, die den osteuropäischen Ländern, die nicht dieselbe demokratische Entwicklung gekannt haben, eine von Exotismus geprägte Kultur zusprechen, aber ihre Fähigkeit verleugnen, genug Wissen und Kenntnisse zu besitzen, so dass sie uns gewachsen werden (oder uns sogar übertreffen), was die wissenschaftlichen Entdeckungen und Errungenschaften anbelangt.

    Muss man Rumäne sein, um Rumänien zu lieben und zu unterstützen ? Auch wenn ich meinen Stammbaum gründlich erforsche, finde ich (leider) keinen rumänischen Urahnen... Dennoch liebe ich dieses Land innig und von ganzem Herzen.

    Zwischen 1994-1999 reiste ich mit großem Vergnügen fünfmal nach Rumänien. Das letzte Mal war es Bukarest im Winter 1998-1999. Im Sommer 1999 beherbergten wir Freunde aus Rumänien. Diesen Sommer fahren wir wieder hin. Und wir freuen uns wirklich darüber, dort Leute wieder zu finden, mit denen wir eng befreundet sind und schon seit Jahren in Verbindung geblieben sind. In Frankreich habe ich auch Freunde aus Rumänien.

    In Umgang mit ihnen habe ich sehr viel sowohl über ihre sozialen Werte als auch über ihr Gedankengut erfahren, seien es Kenntnisse oder Gefühle. Sie waren bereit, uns davon zu erzählen.

    Ich bemühte mich, ein bisschen Rumänisch zu lernen, um die sprachlichen Schwierigkeiten zu bewältigen. Ich lese nun (fast ohne Schwierigkeiten) Bücher und Zeitungsartikel, ich verstehe die Sendungen, die wir auf TVRI empfangen (durch Satelit) fast ganz, ich sehe mir die Nachrichten im französischen Fernsehen an, sobald es um Rumänien geht. Ich lese regelmäßig die rumänische Presse auf dem Web. Ich stelle mit Erstaunen fest, wie unterschiedlich, wenn nicht widersprüchlich die Informationen über ein und dasselbe Thema sind, wenn man sie sich auf den Fernsehkanälen der beiden Länder verfolgt.

    Vor allem höre ich und sehe mir alles sehr genau an, sobald wir über die rumänische Grenze fahren.

    Schon vor meiner ersten Reise nach Rumänien, habe ich mir angehört, wie die meisten Leute Rumänien schwarz malten. Nachdem die ersten Zögerungen, die ersten unvernünftigen und unbegründeten Angstgefühle vergangen sind, ließ ich mich von der bukolischen und ästhetischen Seite der Landschaften, vom Reiz der gastfreundlichen Bewohner verlocken und neigte nun dazu, Rumänien (mir) rosa zu malen und alle unbehaglichen Bilder zu vergessen versuchte. Je mehr mir die Sprache wegen der vielen Wörter französischer und lateinischer Herkunft familiär klang, desto mehr bekam ich den falschen Eindruck, dass nichts mehr unverständlich blieb...

    Das ist im Laufe der Zeit und nach den Kontakten mit den Rumänen und der rumänischen Sprache nicht erhalten geblieben. Ich kam in Berührung mit der grauen Wirklichkeit des Alltags vieler Leute, mit dem großen Unterschied zwischen der materiellen Armut, manchmal der Dürftigkeit und dem hohen Kultur- und Wissensniveau, den menschlichen Werten, dem Hang nach Wissen sogar in den sozial benachteiligten Umgebungen. Sogar in den armen Bauernhäusern, bemerkte ich die höchste Menschenwürde und wie sich die Leute sehr bemühten, das Haus schön „frumoasa" für die Gäste einzurichten, die bald echte Freunde geworden sind. Sie bemühten sich, uns über den Alltag zu unterrichten, über die Zubereitung der Mahlzeit, des Käses für den Winter, über das Holzsägen zusammen mit den Kindern des Dorfes, das Streichen und das Weben der Wolle und über alle wunderschönen Web- und Stickarbeiten, die jedes Haus dem Dorf- und Kunstmuseum wert machen.

    Anlässlich der Vorbereitung einer Konferenz über Rumänien, sind wir nach Bukarest gefahren, um unsere Freunde zu sehen und vor allem unseren Mangel an Kenntnissen über das künstlerische Gedankengut Rumäniens auszugleichen, vor allem was die rumänische Freilichtmalerei und das Projekt Bukarest 2000 betrifft, das die Schäden, der vom Größenwahn besessenen Architektur Ceausescus an der Bukarester Altstadt ausbessern sollten. Wir konnten ohne Protokoll wichtige (nicht politische) Persönlichkeiten treffen, die uns Laien freundlich und geduldsam einige von ihren vielen Kenntnissen über Stadtplanung, Architektur und unter anderem rumänische Malerei des 19. und 20. Jhs. vermittelten. Wir wurden der Kluft bewusst, die zwischen den Lebensbedingungen, ihrem Beruf und ihrer verblüffenden Leistung und Forschungsarbeit besteht.

    Bei dieser Gelegenheit waren wir bei einer Weihnachtsfeier in einem Kindergarten dabei, wo Kinder (im Alter von 2 bis 5 Jahren) Gedichte und Lieder auf Englisch, Französisch und Deutsch vorführten, denn sie hatten mehrere Stunden in der Woche Fremdsprachenunterricht.

    Wer nach Rumänien reist, kann mit Erstaunen feststellen, dass es auch in den schwer zugänglichen Dörfern Leute gibt, die unsere Sprache kennen, während wir ihre Sprache so schlecht sprechen ...

    Was mich aber nach meinen Erfahrungen in Rumänien wundert, ist nicht die unglaubliche wissenschaftliche und kulturelle Leistungsfähigkeit der Rumänen, sondern die Tatsache, dass man sie a priori aus der verfälschenden Sicht unserer Medien bezweifeln kann, wie es der Fall Westeuropas ist.

    Man kann sich darüber wundern, dass Rumänien so viele Erfinder hat und es ihm gleichzeitig so sehr an materiellen Mitteln mangelt. Ich würde sagen, dass ich diese Lage oft feststellen konnte. Das könnte unsere Überzeugungen von den Interaktionen, die wir zwischen materiellem und wissesnschaftlichem Fortschritt voraussetzen, infrage stellen. Wenn Menschen großen wissenschaftlichen Errungenschaften fähig sind, ohne wichtige Mittel zur Verfügung zu haben, was könnten sie dann mithilfe materieller Mittel für das Wohlergehen der Internationalen Gemeinschaft leisten, egal wo sie ihre Leistungen vollbringen, in ihrem Land oder in unserem ?

    Was kann man tun ? Zweifelsohne über unsere Erfahrungen in Rumänien erzählen, erklären und darüber informieren. Diejenigen, die die Chance hatten, das „andere Rumänien kennen zu lernen, entweder das der Rumänen selbst oder der Rumänen der Diaspora, sollen nie den Mut verlieren, denn das ist eine notwendige Aufgabe in einem Land wie unserem, wo die Informationsquellen auf Französisch oft fehlen. Ich bin davon überzeugt, dass dies dazu beitragen wird, die historischen Beziehungen zu unterhalten, die Rumänien und Frankreich immer näher brachten und für immer den relationellen Hinweis auf die Epoche des Eisernen Vorhangs zu vertreiben.

    Was mich betrifft, bin ich tief von der Ungerechtigkeit gegenüber Rumänien berührt und würde gerne den Skeptikern sagen, dass sie sich davon selbst überzeugen sollten.

    Und hier anhand dieses Artikels, der das beweisen soll, was ich in Rumänien erlebt habe, möchte ich mich bei den Rumänen und ihrem Land für die unschätzbaren Werte bedanken, die sie mir schenkten, damit meine ich nicht materielle Werte... Ich hoffe aber auch, denjenigen geholfen zu haben, die ihre Vorurteile abbauen wollten, oder es schon gemacht haben, damit sie dieses Land besser kennen lernen, welches mit allem Recht ein europäisches Land ist (wenn ich darauf noch aufmerksam machen soll...)

    © E.Roussel


    Warum dieses, warum jenes,
    Fragen Sie das nicht,
    GEHEN SIE HIN UND SEHEN SELBST
    ...




    Forum de l'article

    • Rumänien -irgendwo zwischen rosa und schwarz
      Mit Interesse habe ich Ihren Artikel und Ihre Beschreibung gelesen. Selbst habe ich 3 Jahre in Rumänien gelebt und bin heute noch mit einer Rumänin glücklich verheiratet. Jedoch habe ich andere Erfahrungen gemacht, andere Leute kennen gelernt und bin von dem "Menschlichen" in Rumänien bitter enttäuscht. Drei große Volksgruppen bestimmen das Leben dort : die gebürtigen Rumänen, die Zigeuner und die "Deutsch-Rumänen". Der Eine nimmt dem Anderen die Margarine vom Brot. So groß wie die Gastfreundschaft sind auch die Erwartungen. Es ist schön wenn Menschen blauäugig schildern was sie sehen jedoch die Realität ist anders. Zustimmen kann ich nur zu dem Land, es ist wunderschön und lässt den Ausländer nicht los.


      8 décembre 2009


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