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Holzschnitterei im Alltag

Einführungskurs in die Holzschnitzerei

 

2002-2003

habe ich einen Einführungskurs für Holzschnitzerei besucht. Die Erfahrung fand ich besonders interessant und angenehm, weil das Unterrichten einer Kunsttechnik mit Diskussionen zu ganz verschiedenen Themen verbunden war, sowohl zu künstlerischen als auch zu Themen des Alltags, ein Alltag, der an diesem Ort in Muntenien wirklich nicht leicht zu bewältigen war. Voriges Jahr habe ich das ganze Herstellungsverfahren eines traditionellen Grabkreuzes verfolgt, so wie man es in der Maramuresch, in Sapânta sehen kann.
2002 war ich keine fleißige Kursteilnehmerin, da ich unter anderen viel Zeit der Fertigung einer Ikone in Zusammenarbeit mit dem Ikonenmaler des Dorfes widmete. Die Dauer der Schnitzereikurse war mir zu kurz, als dass ich ein echtes Werk hätte schaffen können.
Nach meiner Rückkehr konnte ich zu meiner großen Enttäuschung feststellen, dass die Anschaffung von Holzmeißeln sehr schwierig war, vor allem die der kleinen, das verhinderte mich, meine Arbeit abzuschließen. Außerdem ist das Holz, das zu diesem Zweck verwendet wird, besonders das Lindenholz, in den Handwerksgeschäften nicht verfügbar. Die Suche danach war bei uns eine echte Herausforderung. Die Holzschnitzerei gehört eben nicht zu unserem Alltag.
Ich kann nicht umhin, über die große Freude zu erzählen, die mir der Aufenthalt bei der Familie von Gigi und die Beobachtung seiner Arbeit machte. Er ist nicht nur begabt sondern auch sehr ruhig, gesellig und besonders nett. Mit seinen älteren Kindern hatte ich weniger Kontakt, da die Jugendlichen anderes und bestimmt Interessanteres zu tun hatten, als einer französischen Touristin Gesellschaft zu leisten, aber mein Verhältnis zu seiner jüngeren Tochter machte mir große Freude. Angela, seine Frau, war mit dem Baby und den alltäglichen Hausarbeiten, die eine große Familie wie diese voraussetzte, sehr beschäftigt. Dennoch fand sie Zeit, uns mit hausgebackenem Kuchen und frischem Brunnenwasser zu bedienen und sich mit mir zu unterhalten. Unsere Gespräche waren oft vom Lachen des Kindes unterbrochen, das sich über meine schlechte Aussprache und Wortwahl amüsierte. Vor allem bemühte sich Elena sehr, meine Grammatikfehler zu verbessern und die Lücken in meinen Konversationsversuchen auf Rumänisch zu füllen. Da sie in der Schule Französischunterricht hatte, übersetzte ich ihr ins Französische das, worüber wir diskutierten. Ich war erstaunt über die Schnelligkeit, mit der sie jede neue Sache lernte. Während der Pausen gab sie mir sehr geduldsam Unterricht auf dem Balkon oder im Hof. Der Arbeitsraum befand sich im ersten Stock. Ich bewunderte Gigis Bereitschaft, Zeit mit seinen Kindern zu verbringen sehr.
Während er sich auf seine Arbeit konzentrierte, passte er auf sie auf, ohne sein Werkzeug aus der Hand zu lassen und griff manchmal ein, immer geduldsam und ohne seine Werkbank zu verlassen. Die Mädchen kamen oft ihren Vater arbeiten sehen und lernten zum Spaß und flüchtig etwas über die Holzbildhauerei. Gigi unterbrach dann seine Arbeit für ein paar Minuten, um sie zu beraten oder ihnen zu zeigen, wie man mit dem Werkzeug umgeht. Das fand ich auch nützlich, weil ich nicht so geschickt war, wie diese aktiven, liebenswürdigen und lustigen Mädchen.
Während er schnitzte, achtete er auf die Art und Weise, wie ich den Holzmeißel hielt und korrigierte meine Arbeitsweise, damit sich das nicht zum Nachteil meiner Arbeit auswirkt. Ehrlich gesagt war „mein Werk" nicht besonders gelungen und ich muss noch Vieles verbessern. Trotzdem habe ich viel gelernt, vor allem aus den vielen kleinen „Fehlern", die ich zu verstehen versuchte. Ich bin jetzt imstande, sie fast völlig zu vermeiden. Vor allem habe ich aber gelernt, dass man überlegen muss, bevor man handelt, weil der Holzschnitt nicht rückgängig gemacht werden kann.
Um an Geschicklichkeit zu gewinnen, muss ich, und ich bin mir dessen sicher, noch viel üben. Aber ich bin überzeugt, dass ich eine anständige Arbeit hätte ausführen können, wenn ich ihr mehr Zeit gewidmet hätte. Das kleine Spielbrett, das ich gebastelt habe, scheint mir trotzdem ziemlich gelungen...
Dem Kurs soll ich aber die Anregung zur Ausdauer verdanken...
(Und nun ein paar Tipps zur künstlerischen Technik)
Der Schnitzer wählt zunächst die traditionellen Motive aus, die dann wiederholt werden oder als Ausgangspunkt dienen. Dann werden sie originell zusammengestellt ; zuerst zeichnet er sie auf ein Blatt Papier, erst dann überträgt er sie auf die Maßstäbe des zu schnitzenden Gegenstandes und schließlich zieht er sie auf den Holzblock ab.
Mit einer Schere für Holz und einem Meißel, dessen Krümmungen sich jedem Detail des Motivs anpassen, wird das Holz mit gleichmäßig tiefen Holzhammerschlägen eingeschnitten, was eine gewisse Geschicklichkeit bei einem unerfahrenen Lehrling voraussetzt, die er nicht einmal vermutet. Das endgültige Ergebnis hängt von dieser Präzisionsarbeit ab. Wenn es sich um ein großes Stück handelt, in diesem Fall ein Kreuz aus Eichenholz, kann die Arbeit den ganzen Tag dauern.
Die Geduld und die Konzentration stellen wesentliche Eigenschaften zur Ausübung dieser Kunst dar. Nachher muss man die Abstände zwischen den Motiven aushöhlen, damit diese hervorgehoben werden.
Die ursprünglichen Schnitte machen die Ebene des Hintergrunds aus, indem das Holz in die Richtung der Holzfaser eingeschnitten und beseitigt wird. Erst jetzt versteht man wirklich, warum das erste Verfahren mit gleichmäßigen Holzhammerschlägen ausgeführt werden muss.
Die Bögen der Blumenmotive werden verfeinert, die geometrischen Randmotive sind regelmäßig aufeinandergeordnet und das Kunstwerk erreicht seine fast endgültige Form. Nach einer sorgfältigen Glättung ist es fertig.
Schließlich wird das Kreuz mit Öl eingeschmiert, dann lackiert oder bemalt. Eine Dachschindel wird das Schnitzwerk vor dem Wetter schützen.
Dieses Kreuz befindet sich heute auf dem Friedhof eines kleinen Dorfes in Südfrankreich, am Grabe einer Person, die Rumänien liebte. Wie diejenigen in Sapânta erzählt auch dieses zärtlich und humorvoll von dem Verstorbenen...

Copyright Fotos E.Roussel

Übersetzung Mihai Draganovici


Warum dieses, warum jenes,
Fragen Sie das nicht,
GEHEN SIE HIN UND SEHEN SELBST
...








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