Wir hatten die Chance, Ioana Beldiman, Kurator im Nationalkunstmuseum in Bukarest kennenzulernen, die so nett
war, uns zum Museum der Kunstsammlungen zu begleiten und dort uns so manches von ihren Kenntnissen zu vermitteln. Wir begeisterten uns an einer Malerei, die in Westeuropa kaum bekannt ist, auch wenn Henri FOCILLON seine Zeitgenossen auf ihre besonderen Eigenschaften aufmerksam gemacht hatte...
Die rumänische Nation existiert als solche nur seit dem Ende des 19. Jhs. Sie wurde sehr schnell durch die Eisenbahn mit Westeuropa verbunden. Die Ermöglichung des Austausches zwischen dem Osten und Westen wirkte sich auf die zeitgenössische rumänische Kunst aus, sowohl was die impressionistische und postimpressionistische Malerei betrifft, als auch die Architektur.
Diese schnelle Entwicklung wurde stets von der französischen Regierung und vor allem von Napoleon unterstützt.
Der Gedanke des nationalen Selbsbewusstseins und des Liberalismus, die in dem damaligen westeuropäischen politischen Leben herrschten, schließen sich einer ausgesprochenen kulturellen lateinischen Identität, auf die sich die politischen Persönlichkeiten, die Schriftsteller und die Künstler von nun an berufen.
Französische Privatschulen etablieren sich in der Moldau und in der Walachei, aber auch ungarische und österreichische Maler, wie Anton Chladek (1794-1882), die Poträts der Adligen malen. Sie gehören zum Realismus und Neoklassizismus.
Ab 1840 verbringen die jungen Intellektuellen immer mehr Zeit in Paris.
In einem solchen geschichtlichen Zusammenhang entfaltet sich eine neue rumänische Malerei in enger Verbindung mit der westeuropäischen Malerei.
Die rumänischen Maler des 19. Jhs. befreiten die rumänische Malerei aus den herkömmlichen Konventionen (Wandmalereien in den Kirchen, Ikonen, historische Malerei und Porträts).
1848 machte Grigorescu eine Lehre bei einem Ikonenmaler.
In seiner Jugend malte er die Fresken des Klosters Zamfira, in der Nähe von Ploiesti und bei Agapia, in der Gegend Piatra Neamt.
Gegen Ende des Jahres 1861 fährt er nach Paris. Er wird an der Kunstakademie aufgenommen, zur gleichen Zeit wie Renoir. Er arbeitet dann in dem Atelier von Charles Gleyre.
1862 entdeckt er Barbizon, wo er sich bis 1868 in der Gesellschaft von Diaz de la Pena, Théodore Rousseau und Millet aufhält. Die Gemälde von Corot und Courbet ziehen ihn an. Er ist mit Millet und Courbet, dann mit den Impressionisten befreundet.
1867 stellt er sieben Gemälde an der Weltausstellung zur gleichen Zeit wie Manet aus. 1868 und 1869 stellt er zusammen mit den Impressionisten aus.
1868 kauft Napoleon selbst, an der Ausstellung der Maler von Barbizon, zwei seiner Gemälde.
1870 stellt er seine Gemälde in Bukarest aus. Mit 144 Gemälden wird er im Rahmen der Ausstellung „Amis des Beaux Arts" als der erste rumänische Maler anerkannt.
Andreescu war auch dabei und entdeckte bei diesem Anlass seine künstlerische Neigung. Er debütierte in Bukarest im Jahre 1874 mit einem Stillleben im Rahmen der Ausstellung der Lebenden Künstler.
Ende des Jahres 1878 wird ihm ein Stipendium in Frankreich gewährt.
Im Januar 1879 etablierte er sich in Paris und besucht die Vorlesungen zur Darstellung des Nackten und des Gesichts an der Akademie Julian.
Im Sommer malt er in Barbizon im Wald Fontainebleau. Grigorescu gesellte sich ihm im Sommer 1880 zu. Er kennt aber auch die impressionistische Malerei, deren Ausstellungen er schon mehrmals besichtigt hatte. Seine schönste Landschaft, die aus dieser Epoche stammt, ist „Barbizon unter Schnee" und kündigt schon den Stil von Utrillo an.
1873-1874 reist Grigorescu nach Italien, Griechenland und in die Türkei. Ab 1876 verzichtet er auf die düsteren Farben von Barbizon und nimmt die Farbenpalette des Impressionismus auf. Das Licht wird von nun an die wichtigste Rolle in der Darstellung rumänischer und französischer Landschaften spielen. Er malt Landschaften der Walachei und der Bretagne.
1887 stellt Grigorescu in Paris bei Martinet, Boulevard des Italiens aus. Es sind seine neuesten Werke. Die Zeitungen von Paris „L´Événement", „Courrier du soir" und „Gil Blas" bestätigen den Erfolg dieses „sehr begabten impressionistischen Malers, der so wenig bekannt ist". In der Wirklichkeit unterscheidet sich Grigorescu von den Impressionisten dadurch, dass er eine sehr persönliche Farbenpalette verwendet, die vor allem aus grauen, weißen Nuancen, aus Blau, Grün und Ockergelb besteht.
Dennoch zeigt sich die rumänische Kunstkritik am Ende des 19. Jhs. nicht wohlwollend. Der Impressionismus löst dieselbe lebhafte Streitigkeiten, wie um die „Clique von Manet" in Paris aus.
Zur gleichen Zeit fährt auch Luchian nach Paris. Er interessiert sich besonders für die Werke von Degas und Manet.
Seine Werke weisen darauf hin, dass er die Kunstanschauungen von Manet, Degas und Cézanne sehr gut kannte und vielleicht auch diejenigen von Van Gogh. Ab 1910 interessiert man sich immer mehr für seine Werke.
Er wird auch von der Indigokunst beeinflusst, die seine Zeitgenossen heftig kritisieren, genau so wie sie bei den Impressionisten kritisiert wurde.
Die zeitgenössischen Kunstkritiker vergleichen ihn oft mit Cézanne.Was Darascu betrifft, fährt auch dieser 1906 nach Paris und deshalb kann man ihn auch als einen impressionistischen Maler betrachten. Dennoch wird sich der Fauvismus auf ihn entscheidend auswirken.
Von 1908 bis 1914 malt er im Süden Frankreichs (in Saint-Tropez, Grimaud und Ramatuelle) und auch in Paris. Dabei erweist er sich als ein begabter Landschaftsmaler. Er lernt Signac kennen und lässt sich von dem Neoimpressionismus verlocken, aber er nimmt auch die künstlerischen Anschauungen von Cézanne und die Erfahrung von Fauve auf.
Später reist er ununterbrochen durch Rumänien, durch die Gegenden, die er liebt, und bewundert lange Zeit die Landschaften der Donaudelta, die malerische Kleinstadt Balcic, die er zum ersten mal 1922 besichtigt.
Wir haben nur vier Maler kurz vorgestellt, die für die rumänische Malerei auf Staffelei repräsentativ sind. Es gibt aber auch andere nennenswerte Maler, deren Werke einer Präsentation wert sind, wie Tonitza, Iser, Pallady, Ghiata oder Tuculescu. Ihre Werke werden in den Museen mehrerer Großstädte Rumäniens und nicht nur in Bukarest ausgestellt...
Copyright Fotos E.Roussel
Übersetzung : Mihai Draganovici