Ein alter Professor und eine junge Journalistin unterhalten sich im Zug.
Sie steigen in einem kleinen Bahnhof auf dem Lande aus. Ein ungeschickter schüchterner Mann mit einem Lilienstrauß in der Hand empfängt sie. Sie setzen sich an einen Tisch unter der Gartenlaube. Das Geschpräch fängt mühselig an, aber geht es wirklich um ein Gespräch ? Der Gastwirt gesteht eher ihnen etwas ... er gibt zu :
Dieser Mensch, der von der kommunistischen Macht aus einer Nervenklinik herausgeholt wurde, hat andere Leute gefoltert. Er erzählt davon, er bittet nicht um Verzeihung, man hat ihn nicht dazu gezwungen, man hat ihn nicht bedroht. Er hat diese Sachen getan, weil man es ihm geheißen hat. Er erzählt nur davon und seine schamlose, eintönige kaum lebendige Rede wird von keinem Bild, von keinem Playback begleitet.
Auf einmal sieht man ein, dass es an diesem Tisch einen freien Platz gibt, es ist mein Platz, Ihr Platz. Sind wir die Zuschauer, die im Kino sitzen, die einzigen, die ihm zuhören ? Dieser Film ist sehr aufregend, weil man die ganze Zeit da ist, um den Worten eines Menschen zuzuhören, der den anderen erzählen will, dem aber niemand zuhört. Er sagt ein Wort nach dem anderen, einen Satz nach dem anderen. Das will sich niemand anhören, weder seine Frau, noch sein Sohn, der ihn zum Schweigen bringen will - indem er schreit - , noch die Leute aus dem Dorf, noch der alte Professor, der schlummert, noch der Journalist, der sich bemüht, das Unverständliche zu verstehen. Und Sie, ich, die Zuschauer dieses Geständnisses, die nicht reden können, wir begegnen dem Unverträglichen, dem Unzulässigen, dem Unvorstellbaren. Unser Geist, unsere Intelligenz lähmen allmählich. Wir sind nichts anderes als Ohren, die absolute Gräßlichkeiten hören, ohne sie zu verstehen - man bemüht sich nicht einmal darum - ohne etwas anderes zu empfinden als eine große innerliche Leere, denn das gehört nicht mehr zum Bereich des Menschlichen.