Kurze Geschichte eines kurzen Films, der in einem kleinen Dorf gedreht wurde..
2- Drehbuch und Dreharbeiten
Schon seit mehreren Jahren erinnere ich mich ständig an etwas. Ein regnerischer Tag, irgendwo in Rumänien, und wir suchten eine Herberge in der Nacht. Es war in der Zeit, als noch nicht so viele Schilder von privaten Herbergen überall auf den Straßen standen.
Eine junge Frau stand am Eingang einer Kirche, die wir gerade besucht hatten. Sie lud uns ein, sie zu besuchen, damit sie uns ihre Handarbeiten zeigt. Das war aber nur der Anfang und so haben wir mehrere Tage bei ihr verbracht, obwohl sie diese Art von Tourismus nie gemacht hatte. Damals erfuhren wir vieles über die Schwierigkeit mit der sie die traditionellen sozialen Strukturen ihres Dorfes zu überwinden versuchte.
Sie war sehr arm, und hatte sehr arme Eltern, hatte aber einen Jungen geheiratet, der in einem besserem Viertel wohnte. Sie selbst hatte das Haus neben dem von ihrer Schwiegereltern, aber wenn ihr Mann nicht da war, wohnte sie bei ihrer Mutter, in dem armen Viertel des Dorfes.
Zwischen den zwei Vierteln gab es einen Fluss und eine Brücke. Wenn sie zu ihrer Mutter zurückkam oder zu ihr nach Hause ging, sagte ihr Gesicht all das was die Wörter nicht ausdrücken konnten. Sie fühlte sich schlecht, als sie auf dem Ufer entlanglief, wo ihr Haus stand, aber desto mehr glänzte ihr Gesicht, als sie auf das Ufer ihrer Kindheit kam, aufgemuntert vielleicht von dem, was die Nachbarn als einen sozialen Erfolg betrachten könnten.
Damals erwartete sie ihr erstes Kind. Und wir fragten uns, wie werden diese die Probleme der hierarchischen Strukturen im Drof betrachten und wie werden sie diese erleben. Wieviele Generationen sollten auf der guten Seite geboren sein, bis man vergessen wird, dass die Vorfahren auf der schlechten Seite geboren waren ? Werden sie mal einen anderen Gesichtsausdruck haben, wenn sie die Brücke überqueren werden, um zu einer Großmutter zu gehen ? Mit einer Großmutter mütterlicherseits, die nie diese Brücke überquert hat, außer einmal in unserem Wagen, und mit einer Mutter, die sich auf dem Ufer gar nicht wohl fühlt, wo sie geboren sind..... wird man vielleicht jemals vergessen, dass eine Brücke nur dafür da ist, um von einer Seite zur anderen zu gelangen, und dass es keine gute und keine schlechte Seite gibt ?
Ich hatte nicht mehr die Gelegenheit diese junge Frau zu sehen, ich kann mir aber die Folge dieser wahren Geschichte vorstellen, und zwar nur wenn ich an meine Kindheitserrinerungen vom Dorfe denke, die eigentlich nicht viel anders waren als das was ich in diesem rumänischen Dorf sah.
So wurde auch das Drehbuch meines Films geboren. Ich hatte eigentlich mit Alexis über diese Erfahrung gesprochen und hatte vorgeschlagen, dass wir versuchen, eine Fiktion mit dokumentarem Hintergrund zu schaffen.
Natürlich war es wichtig, dass das für die Dreharbeiten ausgewählte Dorf wüßte, dass das, was wir dort im Film erzählten, alle Dörfer betrifft, seien sie rumänische, französische oder irgendwo auf der Welt ; überall, wo die alten Strukturen manchmal schwierige Lebenssituationen entstehen lassen.
Und wie ich eine Geschichte schreiben wollte, die weder einen moralen noch einen Beweischarakter hat, beschloss ich die Schauspieler sprechen lassen, genau wie im Leben, in den Umständen der betreffenden Situation.
In Glod gibt es eigentlich einen Fluss, mehrere Brücken und zwei Quellen, wir hatten aber die hierarchische Funktion dieser nicht bemerkt. Das Drehbuch des Films löste eine wunderbare Solidarität aus : man wollte uns mit allen Mitteln helfen. Vielleicht hatten die Bewohner dieses winzigen Dorfes in Maramures auch etwas zu sagen. Leicht möglich, dass sie etwas anderes zu sagen hatten, als ich zu erzählen versuchte.
Auf alle Fälle kreuzten sich unsere Wege und unsere Worte. Ich verfolgte ganz aufmerksam jede Replik, ohne zu zögern die Dialoge und das Drehbuch zu ändern, denn es waren sie, diejenigen die das Authentische kannten und nicht ich.
Ich habe sogar eine Szene hinzugefügt, und zwar ganz unvorbereitet, und zwar als der Mann der Hauptdarstellerin kommt, und zwar ohne dass seine Eltern das wussten, um seine Frau zu besuchen und um seiner Tochter eine Puppe zu bringen, die er selbst aus Gras gefertigt hatte. Es ist Ion, mein Retter in den Bergen, der freundlicher Weise akzeptiert hatte, diese Rolle zu spielen. Und er ist auch derjenige, der die Person und die Repliken geschaffen hat...
Eine andere Szene wurde beiseite gelassen, denn wir hatten keine Zeit und keinen anderen männlichen Darsteller.
Das wichtigste in meiner Arbeit war den roten Leitfaden der Geschichte beizubehalten, unabhängig von den Abenteuern der Dreharbeiten.
Ich war so flexibel wie möglich im Bezug auf die Stunden der Dreharbeiten. Wir mussten manchmal auch an das Wetter anpassen. Regnete es, war die Arbeit mit der Kamera unmsglich ; war das Wetter schön, war es auch für die Feldarbeiten günstig. Man musste mähen oder die Erdäpfel sammeln, die dem Überleben der Familien unentbehrlich waren. Oder manchmal musste man auf den Markt in Strâmtura fahren ; oder man musste das Schulprogramm berücksichtigen, für die Szenen, die in der Schule oder anderswo mit den Kindern gedreht wurden. Man musste auch die unangenehme Seite berücksichtigen, der nicht gerade schönen Rolle der reichen Schwiegermutter, die ihre Schwiegertochter verachtet, weil diese auf dem anderen Ufer geboren ist. (Tatsache, die vielleicht für die junge Frau, die ich vor eingen Jahren kennengelernt habe, gar nicht wahr ist) ...
Ein kurzer Film von 15 oder 20 Minuten bietet aber nicht die Möglichkeit, lange Einführungen zu machen. Es steht außer Zweifel, dass Caragiale oder Moliere ganz andere Möglichkeiten entdeckt hätten, ich aber war nicht im Stande. Zusätzlich war die Dauer meines Aufenthaltes begrenzt und es war unbedingt notwendig, die Dreharbeiten vor meiner Abreise abzuschließen. Und es geht eigentlich in diesem Film um eine Geschichte, auch wenn ein Teil davon der Wirklichkeit entnommen wurde.
Und was die sogenannte Großmutter betrifft, war ich diejenige, die ihr Kostüm anhatte und die Rolle übernahm, zur allgemeinen Erleichterung. Wie ich nicht direkt involviert war, konnten sich die Schauspieler und die zahlreichen Zuschauer bei den Dreharbeiten ihre eigenen Befürchtungen und Meinungen gegenüber einer solchen Person ausdrücken. Und wie auch Humor dabei war, ging die Arbeit lustig voran....
Wie ich die Rolle ins Rumänische doubeln musste, baten wir zwei Nachbarinnen, den Text Rumänisch zu sprechen, um das zu ersetzen, was ich während der Dreharbeiten gesagt hatte und das im größten Teil improvisiert war. Nur die jüngere konnte es tun, ohne vom Text beleidigt zu sein.
Es ist ganz schwierig für die Schauspieler, in kurzen Szenen zu spielen, ohne genau zu verstehen, was sie im ganzen Film darstellen und ohne die chronologische Reihenfolge der Ereignisse zu bewahren. Auch wenn man ihnen die ganze Geschichte erzählt. Und unsere Dreharbeiten sollten eigentlich Teil ihrer täglichen Tätigkeiten sein, die viel wichtiger für sie waren, als die Arbeit, die wir ihnen vorschlugen.
Kurz gesagt, das ganze hätte sehr gut ein Misserfolg sein können, aber jeder hat mit dem ganzen Herzen daran gearbeitet, damit wir alles zu Ende bringen können. Und wir haben die Wette gewonnen. Jeder nahm seine Arbeit ernst, insbesondere die Kinder, Alina und Laura, so wie alle anderen, die ein großes Verantwortungsgefühl zeigten, als sie die Schüler der Französischstunde spielen mussten.
Denn in Glod lernen die Kinder schon ab der dritten Klasse Französisch und von der fünften Englisch. Die Lehrerin, die ihre eigene Rolle spielte, akzeptierte sehr freundlich das Gelächter, als sie in ihrer Rolle absichtlich einen Fehler machte. Im Computerraum dieser kleinen Schule freute ich mich immer wieder den kurzen netten Satz zu hören, der vor den Mitteilungen auf Französisch zu hören war.
Seitdem ich zurückgekommen bin, wiederhole ich immer wieder : "Spune lor..." (sag ihnen). Eine kleine Melodie, die mit so viel Liebe und Überzeugung gesagt wurde, und die zweifellos auch für mich bestimmt war :

"Sag ihnen, wer wir sind, erzähl ihnen über unser kleines vergessenes Dorf, erzähl ihnen über unsere Freude, unserLeid, unsere Hoffnungen, sag ihnen, dass wir eines Tages zu ihnen gehen werden, dass sie eines Tages zu uns kommen werden. Und insbesondere sag den Kindern in Frankreich, dass es hier bei uns Brücken gibt, die nicht immer die Kinder von einander trennen,
« Spune lor.... »
Ich war beeindruckt von dem Talent dieser kleinen Schauspieler, dieser Jugendlichen und Erwachsenen, von ihrer Aufrichtigkeit und von ihrem Spiel. Und genau wie in Sieu stellte ich ihre unglaubliche Geduld fest.
Sie haben uns sehr viel von ihrer Zeit geschenkt und auch von ihrer Mitarbeit, und zwar genau so viel wie wir brauchten, um dies zu schaffen. Ohne sie wäre nichts möglich gewesen.
Was die Kinder betrifft, und zwar diejenigen mit denen ich im Schulhof gesprochen habe, haben diese auch ihre Freude gezeigt, als sie gehört haben, dass, wenn der Film zu Ende gebracht wird, sie ihn sehen werden können, aber auch, und vielleicht vor allem auch dass auch Kinder aus Frankreich sie in diesem Film sehen werden. Diese einfache Wiedergabe galt für sie als ein wunderbares Geschenk. Meinen Film zu sehen, eigentlich ihren Film, war nur das logische Ende dieses Abenteuers.
Der Verein "Bilder aus Osten" legte fest, dass man im Rahmen einer Veranstaltung alle dieses Jahr gedrehten Filme, sowohl in Rumänien als auch in Frankreich zeigen wird. Deshalb sind weitere Details nicht nötig, denn in einigen Monaten werden sie sicherlich über Daten und Orte informiert sein. Vielleicht werden auch DVDs oder VHS Kassetten verfügbar sein, wenn Sie mehr über diesen Teil Rumäniens erfahren möchten.
Aber sicher ist, dass Glod und seine Bewohner einen Platz in meiner Seele gefunden haben und ich liebe diese Orte genau wie sie mich auch lieben.
Copyright Fotos : E. Roussel und L. Beaudet
Ûbersetzung : Mihai Draganovici
Fortsetzung folgt (nächste Woche)