Zeugenaussage von Jean-Pierre Roussel Mai 2000
ERSTER KONTAKT MIT BUKAREST
Es war einmal im Sommer 1965, der Zeit von Beattles. Ich war 23 Jahre alt…
Der Präsident de Gaulle hat einige Monate früher ein neues kulturelles französisch-deutsche Abkommen mit Gheorghe Gheorghiu Dej unterzeichnet. Eine Delegation von engagierten Jugendlichen, die mit der neuen Partnerwelt verantwortlich waren, fliegen nach Rumänien. Ich zählte auch darunter, seitens des Auskunftsbüros für Jugendliche, das seit kurzem vom Jugend- und Sportministerium in Zusammenarbeit mit den Föderationen französischer Jugendbewegungen ins Leben gerufen wurde.
Flug TAROM vom Flughafen Orly, mit einer Maschine Illyuschin bi-turbo. Der Flugkapitän und sein Kopilot machen Siesta, mit dem Pravda auf dem Kopf, wie ein Sombrero… Beim Flughafen Baneasa, unglaubliche Hitze.
Auf den Gehsteigen der beeindruckenden Strasse, auf der wir in Richtung Innenstadt fahren, sehr viele Frauen in bunten Kleidern und mit Halstücher, haben Kilometer geblümten Plakaten.
Wir nähern uns dem Zentrum. Eine große Menge von Menschen steht auf dem Gehsteig. Der Reisebus hält an. Ein Leichenzug kommt auf uns von der anderen Richtung zu : Gheorghiu Dej, nähert sich lagsam seiner letzten Ruhestätte und kommt als letzter auf einem Kanonenlafette, wie es sich für einen Staatschef ziemt.
Ceausescu befindet sich, zweifellos, als erster in dem Trauergefolge ; er erwartet seine Zeit, die nicht zögern wird, das wissen wir aber noch nicht ….
Hotel Ambassador : es riecht nach Insektengift (DDT), das wir überall in der Stadt spüren können, und das so stark ist, dass ich heute noch, wenn ich in Bukarest ankomme, überrascht bin, dass ich dieses nicht mehr fühle. Dekor von Holztäfelung und dunkler Tapetenbehänge, ein schwerer Luxus, wie in Ost- Berlin. Rindfleisch mit Soße zum Frühstück : das überrascht uns.
Läden mit komischen Namen : Placintaria - man verkauft hier Pasteten in Kruste, wie es scheint - Consignatia - eine Art Trödler, eigentlich kann man hier Geld gegen Pfand leihen. Die Buchhandlung der Universität - eine unendliche Serie von Schaufenstern für eine unendliche Serie von den kompleten Werken von Marx, Lenin und andere Meister des Denkens ….
Sehr viele Busse, aber sehr wenige Autos - das Zeitalter des Wagens Dacia hatte noch nicht begonnen - mit der Ausnahme der « russischen Jeeps », die sehr schnell mit offenem Dach fahren, ohne die geringste Beachtung der Fußgängerübergänge. Als der Bürgermeister von Bulkarest in diesem Zusammenhang gefragt wurde, antwortete er mir lachend, dass die jungen Armeefahrer in Rumänien heissen Blut haben ….
Den Bulevard Magheru entlang schicken in regelmäßigen Abständen öffentliche Springbrunnen einen kleinen vertikalen Wasserstrahl in die Höhe. Die Fussgänger erfrischen sich dort gerne, und es ist sehr angenehm. In Paris
haben wir das nicht !
In der Nähe des Reisebusses verlangen uns junge Typen Strumpfhosen und Kugelschreiber. Sie sind sogar bereit, unsere Jeans und Hemden zu kaufen. Wir werden später erfahren, dass diese die Zigeuner waren.
Museum für Rumänische Kunst - thematische Säle : Saal der Volksfeste, Saal der Traktoren, Saal von Mähdrescher, Saal der Gießereien... revolutionärer Realismus, der sicherlich die schönen Künste nicht revolutionieren wird ….
Das Dorfsmuseum in Gegenteil ist etwas ganz anderes ! Ich hatte schon etwas in Skandinavien gesehen, aber hier, hier fühle ich, ich werde zu einem Ethnologen…
Ich werde viel später erfahren, dass dieses wunderbare Werk aus dem Jahre 1936 stammt.
Rathaus von Bukarest. Die Vertreter, die die junge Delegation empfangen, haben Antwort auf alles. Sie sind sympatisch, eher entspannt und haben viel Humor. Sie lassen uns den Eindruck von Dynamismus und Willen in dem was sie unternehmen werden, ohne sehr viel darüber zu sprechen, was sie bereits gemacht haben... sie sind Politiker, oder ?
Der Palast der Pioniere. Die Anstalt ist prachtvoll, aber ein bißchen militärhaft. In kurzen Hosen, roter Schal um den Hals, sie sind kleine Burschen, echteVetter von unseren Pfadfindern. Oder zumindest etwas ähnliches …
Es gibt überall zahlreiche kleine Kirchen, die aber geschlossen sind und die man nicht besichtigen kann.
Und noch die "gradini" der Altstadt, kleine Gärtchen mit Weinreben, gute Zufluchten gegen die Hitze, und die plötzlich leer werden, wenn wir uns an einen Tisch setzen :
Es ist zweifellos unser « politischer Reiseführerkommisar », denn wir bald "Isolierband" benannt haben, denn wir stellten uns vor, wer mit dem Besitzer diese Evakuierung verhandelt : die Bevölkerung darf keinen Kontakt zu den Fremden haben. Wir erfahren bald wie wir unserem Isolierband loswerden können : was kann man tun wenn eine Gruppe, die die nicht-genannten Gesetze missachtet in vier oder fünf Splittergruppen explodiert, die in allen Richtungen gehen ? Der arme wird im Laufe unseres Aufenthaltes zu einer Mata-Hari, zweifellos eine Anfängerin... die dasselbe Schicksal erfahren wird. Tut uns leid Kamarad !
Das ist alles für Bukarest 1965. Die Folge dieses ersten Entdeckungsaufenthaltes in Rumänien wird viel spannender sein. Es wird vielleicht auch ein anderes Kapitel sein, später…