Bukarest - Richtung Westen
Die Stadt Bukarest hat sich seit der Mitte des 19. Jhs. in ihrer Entwicklung wesentlich verändert und zwar in einer sehr kurzen Zeitspanne. Das Abendland und seine großen Architektur- und Städtebauströmungen prägen sie. Bisher gab es nur ein paar Klöster und Woiwodenhäuser aus Stein und die Stadt bewahrt nur wenige Beweise der städtebaulichen Architektur der alten Zeiten.
Die Vereinigung der Walachei und der Moldau, Mitte des 19. Jhs. nach den Ereignissen von 1848 verändert vom Grund auf die Sitten. Bukarest wird zur Hauptstadt und seine morgenländischen Sitten werden grundlegend verändert.
Die moldauischen Prinzen bringen mit sich russische Einflüsse, die von der Frankophilie stark geprägt sind.
Am Vorbild der Damen des kleinen Adels und des Bürgertums, die sich innerhalbs eines Jahres an der Mode und am „savoire-vivre" des Abendlands anpassen, wechseln auch die Bukarester allmählich ihre morgenländischen Kleider und die Zimmerausstattung, die von der osmanischen Kleidertradition beeinflusst waren, gegen den hohen Hut und die Pariser Zimmerausstattung.
Wir sind Zeugen einer eigenartigen Mischung von abenländischen und morgenländischen Traditionen. Die Frauen der Bojaren und der Kaufleute kommen aus ihren Zimmern heraus und gehen auf die Straßen spazieren, sie beginnen unter den Blicken des erstaunten Volkes die Theaterhäuser und die Cafés zu besuchen, veranstalten Empfänge, wo sie Herrin des Hauses sind.
Der Unterschied zwischen den Volksvierteln und dieser schnellen und dauerhaften Entwicklung wird immer größer. Wohl oder übel werden alle in diesen kulturellen Wandel herangezogen, der kurz der Revolution von 1848 folgt.
Mehrere Faktoren sind der Grund für diese Umwandlung, darunter auch die Entwicklung der Eisenbahn, die Ost- und Westeuropa verbindet. Sowohl der Waren- als auch der Kulturaustausch sind sehr rege.
Es gab jedoch auch andere einheimische Faktoren, die einen günstigen Rahmen für die Umwandlung schaffen.
1847 zerstört ein Brand einen großen Teil der Stadt (etwa 2000 Häuser).
1848 wird ein besonders moderner städtebaulicher Plan zur Wiederherstellung der Stadt erstellt, der von der westeuropäischen Architektur beeinflusst wird.
Dieser Städtebauplan wird von Gheorghe Bibescu, dann von Alexandru Ioan Cuza nach 1859 (Vereinigung von Rumänien, der Walachei und der Moldau infolge des Friedensvertrags von Paris) unterstützt.
Dabei wird man sich mehrmals an westeuropäische Architekten (darunter Gottereau und Galleron) wenden. Die rumänischen Architekten, darunter Ion Mincu und Marcel Iancu studierten teilweise in Paris oder in anderen westeuropäischen Städten. Sie haben jedoch den Verdienst, einen echt rumänischen Stil entwickelt zu haben, der eine wahre Synthese der traditionellen und modernen Baustile darstellt.
Viele solcher Gebäude befinden sich im heutigen 1.Bezirk. Calea Victoriei ist ein wahres Architekturmuseum der vorkommunistischen Zeit.
Die Gebäude gehören dem neoklassischen Stil und der Art Nouveau aber unter dem Einfluss der wienerischen Architekten entstehen auch Gebäude im Bauhausstil.
Übrigens stellt Bukarest eine wahre Mischung von verschiedenen Architekturstilen, von dem Haussemanien zum Avantgardismus dar, um nicht mehr davon zu reden, was die einmalige Prägung dieser Stadt ausmacht, das heißt die Verbindung dieser westeuropäischen Stile mit dem neurumänischen Stil, der am Anfang des 20. Jhs. im engen Zusammenhang mit der Art Nouveau des Abendlands seine Blütezeit erreichen wird...